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Donnerstag, 19. April 2012 Erfreuliche Drucksachen durch ein paar kleine Tipps

Oft fallen mir Word-Dokumente, PowerPoint-Präsentationen, Aushänge oder sogar Printmedien auf, denen man schon auf den ersten Blick ansieht, dass sie von einer Person erstellt worden sind, die leider nicht so genau wusste, was sie da macht.

Durch die Berücksichtigung von ein paar einfachen Regeln, können Sie Ihren Briefen, Präsentationen und Drucksachen ein gutes Aussehen verpassen.

1. Die Seitenaufteilung (Satzspiegel) Ihres Dokuments
Der Satzspiegel sollte der erste Schritt sein, den Sie beim Setzen Ihrer Medien berücksichtigen müssen. Da ich oben von "einfachen Regeln" gesprochen habe, begnügen wir uns mit einer groben Aufteilung des Satzspiegels.

Bei einer Doppelseite kann man das Verhältnis der Ränder zueinander aufteilen in 2:3:4:5 (Innenrand, oberer Rand, Außenrand, unterer Rand). Die Summe der Innenränder entspricht dem Außenrand.

Die seitlichen Randabstände einer Einzelseite werden einfach dem oberen Randabstand angeglichen. Der untere Rand ist dabei doppelt so groß wie der obere Abstand.

Wer dazu weiterführende und genauere Informationen sucht oder wissen möchte, wie ein perfekter Goldener Schnitt konstruiert wird, kann sich bei Wikipedia informieren.

2. Wählen Sie eine klare, gut leserliche Schrift
Die Schrift sollte zu Ihrem Anliegen passen. Sie sollte leserlichen sein und den Inhalt ihres Textes widerspiegeln. Serifenlosen Schrift wie Helvetica, Verdana oder Geneva vermitteln Klarheit und wirken seriös und modern. Diese Schriften sind in Präsentationen und auf Entfernung noch gut leserlich. Besonders kleine und große Texte sind in diesen Schriften noch gut zu entziffern.

Der Vorteil von Serifenschriften (auch Groteske genannt) wie Times, Palantino oder Georgia liegt im besseren Schriftbild. Diese Schriften sind im Fließtext besser zu lesen, da die Serifen (Füßchen) das Auge von Buchstabe zu Buchstabe führen und so den Lesefluss unterstützen. Sie wirken oft jedoch konservativ und altbacken.

Groteske sind nicht geeignet für kleine Schriftgrößen oder für Präsentationen auf Monitoren oder Projektoren. Ist der Text zu klein verschwimmt er schnell; auf Monitoren oder in projezierten Bildern überleuchtet die Leuchtkraft eines weißen Hintergrundes schnell die Serifen. Sie sind dann kaum zu erkennen und die Schriften wirken ausgefranst.

Ob Sie sich für eine Schrift mit oder ohne Serifen entscheiden, bleibt aber letztlich eine Frage des Geschmacks.

Schriften, die aussehen wie handgeschrieben oder mit einem Pinsel gemalt – insbesondere die Schrift "Comic Sans" – haben in vernünftigen Drucksachen in der Regel nichts verloren.

3. Verwenden Sie maximal zwei oder drei verschiedene Schriftarten!
Zu viele Schriften verleihen Ihrem Projekt Unruhe. Verwenden Sie daher so wenig verschiedene Schrifttypen wie möglich. Wählen Sie z. B. für Überschriften oder Fußnoten eine serifenlose Schrift und für den Haupttext eine Schrift mit Serifen.

Nutzen Sie zur Hervorhebung oder Auszeichnung von Abschnitten verschiedene Schriftschnitte wie "kursiv", "unterstreichen" oder "fett" anstatt anderer Schriften oder farbigen Auszeichnungen.

4. Schriftgröße, Zeilenabstand und Zeilenlänge
Die Schriftgröße (oder auch Schriftgrad) fällt von Schrift zu Schrift verschieden aus. Die Helvetica fällt zum Beispiel so groß aus, dass sie in Lesegrößen einen Punkt (pt) kleiner gesetzt werden kann als die Times New Roman.

Allgemein gilt, dass Fließtexte in einer Punktgröße von 9–12 pt und kleine Schrift keinesfalls unter 6 pt gesetzt werden sollten.Der in verschiedenen Programmen voreingestellte Zeilenabstand beträgt in der Regel 120 Prozent. Bei einer Schriftgröße von 10 pt entspricht das einem Zeilenabstand von 12 pt. – Ich würde empfehlen den Zeilenabstand auf 130 Prozent zu erhöhen. Kleine und schwierigere Texte werden dadurch leichter erfassbar und der Textblock wirkt etwas luftiger.

Die Zeilenlänge sollte nicht zu lang gewählt werden, da dadurch der Lesefluss gehemmt wird. Mehr als 75 Zeichen pro Zeile sollten nicht verwendet werden.

Optimal sind 60 bis 65 Zeichen pro Zeile; weniger als 35 Zeichen führen leicht zu unschönen Umbrüchen.

5. Textausrichtung
Es gibt vier Möglichkeiten den Text auszurichten: linksbündiger Satz, rechtsbündiger Satz, zentrierter Satz und Blocksatz. Linksbündiger Satz und Blocksatz sind am lesefreundlichsten. Achten Sie unbedingt darauf, dass im Blocksatz keine großen Lücken zwischen den Wörtern entstehen oder sogar einzelne Wörter auseinandergezogen werden. – Im Zweifelsfall richten Sie Ihren Text lieber linksbündig aus.

Versuchen Sie Texte oder Überschriften nicht zu zentrieren. Oft wirkt eine linksbündige Ausrichtung ruhiger und professioneller. Das Zentrieren von Texte gilt als einfallslose Notlösung.

Rechtsbündiger Text sollte nicht für Fließtext verwendet werden. Das wirkt sonst schnell ermüdend. Eingesetzt wird er oft in Tabellen, Legenden oder auch auf Deckblättern.

6. Optische Strukturierung
Überschriften sollen dem schnellen Auffinden einer gesuchten Information dienen. Es ist daher ratsam schon im Vorfeld eine Hierarchie der Überschriften festzulegen und diese durch Schriftart und Schriftgröße zu definieren. Sind die Überschriften länger als eine Zeile, lassen Sie die Zeile sinnvoll umbrechen und vermeiden Sie Worttrennungen. Es ist nicht zwingend nötig, dass eine Überschrift bis zum Rand durchläuft bevor sie umbricht. Nach einer Überschrift sollte der Zeilenabstand größer sein als der Abstand zwischen den Absätzen im Fließtext.

Zur Strukturierung und Übersichtlichkeit werden Absätze im Fließtext  getrennt. Die einzelnen Textblöcke sollten dabei deutlich, aber nicht zu stark von einander abgesetzt sein.

Es gibt zwei Möglichkeiten Absätze zu trennen: mit Zeilenabstand oder mit einem Einzug zu Beginn eines Absatzes. Beide Möglichen sollen nicht gemischt werden.

Finden Sie ein gesundes Maß zwischen Fließtext und Absatz. Ein Text mit zu vielen Unterbrechungen kann schnell unruhig und zerrissen wirken.

7. Seien Sie sparsam im Umgang mit Farben
Farbige Elemente können zur Auflockerung dienen. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie Farben verwenden, die miteinander harmonieren. Auf keinen Fall sollten Sie Komplimentärfarben miteinander kombinieren. Eine orange oder rote Schrift auf hellblauem Grund sieht zwar poppig aus, entspannt lesen kann es aber niemand.

Verwenden Sie statt dessen einen hellen, neutralen Hintergrund (weiß oder hellgrau) und eine Schriftfarbe, die genug Kontrast zum Hintergrund aufbringt (schwarz, dunkelgrau, dunkelblau). Verwenden Sie für Bildschirm- oder Projektorpräsentationen mit viel Text lieber einen hellen Grauton als Hintergrundfarbe oder wählen Sie für die Schrift ein dunkles Grau statt Schwarz.

Diese Farbkombinationen wirken durch den verminderten Kontrast weicher und sind dadurch angenehmer zu lesen, weil sie nicht so schnell zur Ermüdung der Augen führen.

8. Bilder und Grafiken
Bilder im Grunde können überall auf einer Seite platziert werden. Achten Sie aber darauf, dass Bilder und Grafiken mit dem Text harmonieren. Richten Sie sie an den horizontalen und vertikalen Schriftlinien aus und achten Sie auf genügend Abstand zum Text. Verwenden Sie nicht zu viele grafische Elemente sonst wirkt die Seite schnell überladen.

9. Achten Sie auf einen vernünftigen Ausdruck
Satz und Gestaltung sind nicht alles. Der Text sollte verständlich bleiben, gut strukturiert sein und die Sätze sollten nicht zu lang werden.

10. Vermeiden Sie Rechtschreibfehler
Rechtschreibfehler sollten in einem seriösen Text nach Möglichkeit natürlich nicht vorkommen. Informationen zur Satz- und Rechtschreibregeln finden sich auf den ersten Seiten eines jeden Duden und wer "Straße" mit Eszett und das "willkommen" bei "Herzlich willkommen" klein schreibt, ist schon mal auf einem guten Weg.

Lassen Sie Ihren Text möglichst noch einmal von jemandem gegenlesen.


Dieser Text behandelt die gröbsten Punkte und ist keine Anleitung für einen guten Schriftsatz, ein tolles Layout oder gar ein Ersatz für einen gelernten Schriftsetzer. Er kann Ihnen aber dabei helfen Ihre Projekte ein bisschen anschaulicher zu gestalten und das hilft Ihnen vielleicht dabei, dass Ihre Präsentation oder Ihr Anschreiben ein bisschen mehr Aufmerksamkeit erfahren.

 

Kategorie: Grafik und Design, Schrift