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Freitag, 01. August 2008 Die Künstlersozialabgabe – Was steckt dahinter?

Seit letztem Jahr geht es bei Auftraggebern von freien Künstlern und Publizisten hoch her im Netz. Der Grund dafür ist die Künstlersozialabgabe. Diese Abgabe müssen die meisten Auftraggeber von selbstständigen Journalisten und Künstlern an die Künstlersozialkasse (KSK) entrichten und das bereits seit 25 Jahren.

Das seit 1983 existierende Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) wurde geschaffen, um selbständigen Künstlern und Publizisten bei der sozialen Absicherung unter die Arme zu greifen. Der Künstlerbericht der Bundesregierung kam schon 1975 zu dem Schluss, dass diese Berufsgruppen wirtschaftlich und sozial besonders "schützenswert" seien. Mit Einführung des KSVG war es den Freiberuflern nun möglich, sich den sozialen Schutz der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung leisten zu können.

Die Funktion des Künstlersozialversicherungsgesetzes ist ähnlich wie das Verhältnis Arbeitgeber/Arbeitnehmer aufgebaut. Wer in die Künstlersozialkasse (KSK) aufgenommen wird, kann sich allgemein versichern und zahlt, wie ein Arbeitnehmer, nur die Hälfte der Versicherungsbeiträge. Die andere Hälfte zahlt die KSK, die wiederum bekommt ihre finanziellen Mittel zum einen vom Bund und zum anderen durch die von den Auftraggebern zu entrichtende Künstlersozialabgabe. Die Höhe der Künstlersozialabgabe wird jedes Jahr neu berechnet und angepasst und beträgt zur Zeit 4,9% des jeweils zu zahlenden Honorars.

Die Künstlersozialabgabe muss vom Auftraggeber gezahlt werden, sobald er die Dienste eines Freiberuflers der entsprechenden Berufsgruppen in Anspruch nimmt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Auftragnehmer in der KSK ist, oder nicht. Der Auftraggeber ist ebenfalls abgabepflichtig, wenn er die Dienste eines ausländischen Künstlers in Anspruch nimmt. Der Grund liegt auf der Hand: um die Gebühr nicht entrichten zu müssen, würden Auftraggeber nur noch die Dienste von Freiberuflern in Anspruch nehmen, die nicht der KSK angehören und somit würde sich die Mitgliedschaft in der KSK auf die Auftragsvergabe negativ ausüben.

Nach nun 25 Jahren, nach denen das KSVG geschaffen wurde, liegt nun die Aufgabe der Zahlungsprüfung nicht länger bei den 20 Beschäftigten der KSK, sondern wird nun von rund 3000 Betriebsprüfern der Deutschen Rentenversicherung übernommen. Seit dem treffen bei vielen Unternehmen und Einrichtungen nun Aufforderungen zur Nachzahlung der Künstlersozialabgabe ein und das Geschrei ist groß, dass die bereits seit 25 Jahren bestehende Abgabepflicht nun tatsächlich eingefordert wird.

Wie schon zu Entstehungszeiten des KSVG wird nun versucht, die Abgaben zukünftig zu umgehen, indem keine Freiberufler mehr beauftragt werden. Doch damals wie heute zeigt sich, dass es ein Trugschluss ist, mit einer Agentur besser zu fahren. Man spart sich zwar die Abgaben, jedoch sind die knapp 5% Künstlersozialabgabe ein verschwindend geringer Betrag im Gegensatz zu den Mehrkosten, die für Agenturen oder Angestellte zu entrichten sind. Zudem kann die Künstlersozialabgabe als Betriebsausgabe geltend gemacht werden.

Die Vergangenheit zeigt, dass der Großteil der Auftraggeber, die nach der Einführung des KSVG zu Agenturen gewechselt haben, heute wieder mit ihren Freiberuflern zusammenarbeiten, weil diese einfach wirtschaftlicher arbeiten können.

Doch auch nach 25 Jahren Künstlersozialversicherungsgesetz gibt es noch viele Punkte, denen dringend Nachbesserung bedarf. So ist es dringend nötig, mehr Transparenz in die Abgabepflicht zu bringen. Bisher ist nicht deutlich, wer für welche Arbeiten Abgaben zu leisten hat. Zudem bedarf es einer eindeutigen Definition des Begriffes "Künstlerische Leistung". Bisher ist es reine Ermessenssache von Finanzämtern, KSK und anderen Einrichtungen.

Weitere Informationen zum Thema Künstlersozialabgabe und Künstlersozialkasse finden Sie unter www.kuenstlersozialkasse.de.

 

Kategorie: Kosten