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Samstag, 21. August 2010 Acht einfache Schritte, mit denen Sie Ihren Grafiker in den Wahnsinn treiben können ...

Wie Sie sicher wissen sind Grafiker, Designer und Werber verantwortlich für alles Böse, Schlechte und Gemeine auf dieser Welt. Durch ihre unterschwelligen Webebotschaften verführen Sie unschuldige Bürger, Dinge zu kaufen, die sie nicht brauchen, Dinge zu tun, die völlig unnötig sind oder Dinge ansehen zu müssen, die eigentlich niemand sehen möchte.

Nun bekommen Sie die einmalige Gelegenheit, sich für all das zu revanchieren. Und das ist gar nicht mal schwer. Die einzige Vorraussetzung dafür ist, dass Sie einem Grafiker einen Auftrag erteilen und schon kann der Spaß beginnen:

1. Microsoft Office
Schicken Sie ihrem Grafiker ihre Vorstellungen mit Hilfe einer MS-Worddatei (möglichst in einer Windows-Version) und bestehen Sie darauf, dass die Umsetzung exakt so erfolgt, wie Sie es in der Datei aufgebaut haben. Sollen in Ihrem Projekt Bilder verwendet werden, schicken Sie diese nicht etwa als JPG-Bild, TIF- oder EPS-Datei, sondern betten Sie diese unbedingt in Ihre Worddatei ein. Achten Sie dabei darauf, die Auflösung des Bildes vorher auf 72 dpi zu verringern, damit sich Ihr Grafiker unbedingt noch mal bei Ihnen melden muss, um die Bilder in besserer Qualität anzufordern. Wenn Sie ihm diese dann erneut schicken, verkleinern Sie einfach die Bilder vorher noch mal um 50% und vergessen Sie, falls Sie die Bilder per E-Mail schicken sollten, doch einfach hin und wieder mal den Mail-Anhang.

2. Die Schrift
Wenn sich Ihr Grafiker für die Schrift »Helvetica« enschieden hat, bestehen Sie unbedingt auf die »Arial«. Hat er den Zeichensatz dann ersetzt, sagen Sie ihm, dass Sie sich nun doch für die »Comic Sans« entschieden haben. – Benutzt der Grafiker erstmal die »Comic Sans«, können Sie sich auf die Schulter klopfen: Sie sind schon einen großen Schritt weiter und Ihr Grafiker wird schon jetzt unruhig schlafen und nachts von Ihnen träumen ...

3. Das Layout
Grafiker versuchen immer und überall freie Flächen stehen zu lassen. Das zeigt sich in Form von großzügigen Zeilenabständen und Laufweiten, breiten Rändern oder der Seitenaufteilung mittel des Goldenen Schnitts. Eine sehr gute Möglichkeit für Sie hier zu intervenieren! Ihr Grafiker wird Ihnen wahrscheinlich weismachen wollen, dass  mittels seiner stilistischen Mittel die Texte leichter zu lesen, Inhalte leichter zu erfassen und das Ganze professioneller und aufgeräumter aussieht. Pfeifen Sie drauf! Bestehen Sie unbedingt darauf, Ränder und Zeilenabstände zu verkleinern und eine Schriftgröße zu verwenden, die unter sechs Punkten liegt. Einen Bonus können Sie sich noch dazu verdienen, wenn Sie auf die Schrift »Comic Sans«, »Sand« oder »Arial« bestehen. Am besten alle drei Schriften zusammen! Ihr Grafiker wird zwar versuchen, sich dagegen zu wehren, aber keine Sorge, er wird sich Ihnen unterwerfen, denn der Kunde ist schließlich König und hat immer Recht.

4. Die Farben
Den meisten Spaß bei der Farbauswahl wird es Ihnen bereiten, wenn Sie wahllos einige Farben auf kleine Zettelchen schreiben, diese falten und in einen Hut werfen. Ihr Grafiker wird höchstwahrscheinlich versuchen Sie darauf hinzuweisen, dass man höchstens zwei bis drei verschiedene Farben verwenden sollte. Ignorieren Sie das, greifen Sie in Ihren vorbereiteten Hut und ziehen Sie wahllos mindestens fünf Farben! Je mehr, desto besser!

5. Logos
Wenn Sie Ihrem Grafiker ein Logo zukommen lassen wollen, stellen Sie ihm keinesfalls Ihre hochwertigen Vektordaten zur Verfügung! Statt dessen stellen Sie sicher, dass er das gewünschte Logo nur sehr sehr klein erhält. Am besten als GIF-Datei aus dem Internet! Auch hier bekommen Sie wieder einen Bonuspunkt, wenn Sie das Logo vorher noch in ein Worddokument einbetten! Ist Ihr Grafiker schließlich mit dem Freistellen und Bearbeiten des GIF-Bildchens fertig, sagen Sie ihm, dass Sie das Logo nun doch etwas größer benötigen! Wieder sind Sie einen großen Schritt weiter!

6. Korrekturen
Machen Sie sich auf keinen Fall die Mühe, Korrekturen per Fax zu senden oder diese gar via Korrektur-PDF Ihrem Grafiker zukommen zu lassen! Machen Sie es telefonisch! Rufen Sie ihren Grafiker am besten an, wenn er gerade ins Büro gekommen ist – oder unterwegs auf dem Handy! Und auch wenn er sich gerade in einer Besprechung befindet: Bestehen Sie unbedingt darauf, mit ihm die anfallenden Korrekturen zu besprechen! Hat er es dann wiedererwartend geschafft haben, die Korrekturen doch noch aus der Projektmappe zu fischen, beschreiben Sie ihm die zu korrigierenden Punkte möglichst ungenau. Geben Sie auf keinen Fall an, auf welcher Seite Sie sich gerade befinden und benutzen Sie Positionsangaben wie "links oben in der Mitte" u. ä! Aussagen wie: "Peppen Sie das doch mal ein bisschen auf!" oder "Machen sie das doch mal so, wie ich mir das gerade denke!" runden alles noch etwas ab. Lassen Sie Ihrer Fantasie einfach freien Lauf!

7. Deadlines
Wenn es dann endlich so weit ist, dass Sie die endgültige Freigabe für das Projekt erteilen sollen, lassen Sie sich Zeit! Bedenken Sie die Freigabe gründlich und nehmen Sie sich ruhig einen Tag Zeit ... oder zwei ... oder sechs ... Dann, kurz bevor die Deadline für das Projekt erreicht ist, lassen Sie von Ihrem Grafiker weitere Änderungen und Korrekturen durchführen, die auf jeden Fall mehr Zeit in Anspruch nehmen, als der Grafiker in der verbleibenden Zeit noch schaffen kann. Eine weitere Möglichkeit: Ändern Sie doch einfach die Reihenfolge der Seiten. Achten Sie dabei unbedingt darauf, dass Sie keine Doppelseiten verschieben! Sie müssen unbedingt linke und rechte Seiten vertauschen!

8. Geben Sie ihm den Rest!
Nachdem Sie die vorangegangenen Punkte an Ihrem Grafiker abgearbeitet haben, wird er nicht mehr derselbe sein. Er wird schon jetzt nicht mehr ruhig schlafen können und sich seiner selbst nicht mehr sicher sein. Wenn er feststellt, dass er mit Ihnen nicht so umspringen kann, wie mit seinen anderen Kunden; Sie nicht einer von denen sind, die zu allem »Ja und Amen« sagen, wird der Punkt eintreten, an dem er Ihnen jeden Wunsch ohne weiteres Aufbegehren erfüllen wird. Sie wollen grüne Schrift auf rotem Grund? Kein Problem! Sie werden sehen, Sie bekommen es widerstandslos! – Alles in Pink? Glauben Sie mir: Kein Thema mehr!

Jetzt können Sie ausholen zum finalem Schlag! Wenn es am Ende darum geht, die finalen Entscheidungen zu Farben, Formen und Schriften zu treffen und er alles ohne Einwand über sich ergehen lässt, sagen Sie ihm, dass Sie von seiner mangelnden Initiative zutiefst enttäuscht sind; er der Designer ist und es nicht Ihr Job sei, in Sachen Farbe, Formen und Schriften Entscheidungen zu treffen. Machen Sie ihm klar, dass Sie mehr Leistung und Rat zum Design von Ihm erwartet hätten, Sie von seinem Mangel an Kreativität zutiefst enttäuscht sind und zukünftig Ihre Layouts selber mit Word und Publisher machen werden; zu teuer sind seine Leistungen ja sowieso!


(Frei nach dem englischen Text »8 ways to drive a graphic designer mad« von ghisroy)

Kategorie: Allgemein