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Dienstag, 18. November 2008 Nicht alles, was glänzt, ist Gold wert ...

Da mir ab und zu ein gewisser Fanatismus in Hinsicht auf Apfel-Produkte vorgeworfen wird und böse Zungen sogar behaupteten, ein Apple Performa 4200 wäre der Grund für das Ende einer meiner Beziehungen gewesen, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auch mal einen kritischen Blick auf die weiß-silbergraue Apple-Welt zu werfen.

Seit 15 Jahren arbeite ich mit Computern, auf denen irgendwo ein kleiner angebissener Apfel blinkt und bis zum heutigen Tag bin ich auch davon überzeugt, dass es keine nennenswerten Alternativen für eine intelligente und ökonomische Arbeitsweise mit Computern gibt. Somit gebe ich Bill Gates Recht, der bereits 1984 der Meinung war, dass der Macintosh einer der fortschrittlichsten Rechner auf dem Markt ist.

Doch was hat sich geändert, seitdem der erste Apple-Computer 1976 in einer Garage in Los Altos zusammengebastelt wurde?

Apple hat bis heute den Ruf, die etwas anderen Personalcomputer herzustellen. Doch ist diese Aussage noch gerechtfertigt? – Das Design der Geräte ist ohne Frage großartig, aber das Wesentliche eines Computers sollte nicht das Erscheinungsbild sein, sondern die Hardware, die in ihm steckt. Hier müssen mittlerweile leider Abstriche gemacht werden. Der Quadra, mit dem ich meine ersten Gehversuche in die Macwelt wagte, und später der Performa, machten auf mich noch einen wirklich soliden und qualitativ hochwertigen Eindruck. Die Hardware war ordentlich, der Wertverfall im Gegensatz zu herkömmlichen Rechnern gering und der Preis erschien gerechtfertigt. Dann folgte ein PowerMac G3 (Yosemite). Hier bemerkte ich zum ersten Mal qualitative Mängel. Der Rechner wirkte zerbrechlicher als bisher gewohnt und im Inneren klapperten die Reste von Lötzinn. Doch auch dieser Rechner ist noch bis heute funktionstüchtig! Im Jahr 2002 folgte ein Powerbook G4.

Hier waren Mängel in der gleichmäßigen Ausleuchtung des Displays festzustellen und trotz überwiegender Schreibtischnutzung fiel irgendwann das CD-Laufwerk aus und musste ersetzt werden. Auch die Festplatte hat 2007 aufgegeben, zuverlässig zu arbeiten. 2005 wurde der G3 durch einen iMac G5 ersetzt, der wiederum einen sehr soliden Eindruck machte und auch bis zu seiner Ablösung durch einen ProMac zuverlässig arbeitet.

Die Geräte, mit denen ich heute arbeite, stammen jeweils aus der letzten Generation und die bekannten Fehler sind bereits ausgebügelt. Doch zeugt es nicht bereits von einem Qualitätsverfall, wenn man sich erst bei den nachfolgenden Generationen sicher sein kann, dass die Technik in Ordnung ist? Vor allem seit dem »Intel inside« ist, scheint sich ein Qualitätsunmut bei den Nutzern auszubreiten. In Foren wird von schief montierten Laptopdeckel gesprochen, die Farbe blättert von den Hochglanzgeräten, Displays weisen Risse auf oder fallen teils aus, Festplatten crashen und zur Reparatur eingeschickte Geräte gehen verloren ...

Liegt der Grund für den angeblichen Qualitätsverfall nur in der gestiegenen Nachfrage, der Ausweitung der Produktpalette in den Bereich der Unterhaltungselektronik, dem größeren Kundenkreis und der dadurch resultierenden höheren Fehlerquote? Sicherlich ist das ein Aspekt, der nicht unbeachtet bleiben sollte und doch ist auch Apple wie alle anderen Anbieter von wirtschaftlichen Gütern, in erster Linie auf eine möglichst große Gewinnspanne aus. Eine logische Konsequenz ist es daher, die Produktionskosten zu senken. Wie in jeder Branche kann sich das nur negativ auf die Qualität auswirken, denn Arbeitskräfte, die für einen Hungerlohn arbeiten müssen, werden sich für ihren Arbeitgeber kein Bein ausreißen. Die Auswirkungen sieht man z. B. bei diesem Innenleben eines MacBook Pro (Santa Rosa). Es gab Rückrufaktionen von Notebook-Akkus, die wegen Überhitzung- und Feuergefahr ausgetauscht werden mussten und Apple Händler monieren, dass jeder zehnte ausgelieferte Apple-Rechner Mängel aufweist.

Das gibt zu denken und sollte zu der Überlegung führen, ob eine billige Produktion nicht am Ende zu einer Kostenfalle wird. Ein Kunde, der auf ein zuverlässiges Arbeitsgerät hofft und dafür einen entsprechenden Betrag investierten muss, wird sich seine Gedanken machen, wenn er feststellt, dass das neue Produkt zwar äußerlich was her macht, aber in der Funktion nicht überzeugen kann.

Ich bin der Auffassung, dass ordentlich produzierte Güter und vernünftig ausgeführte Dienstleistungen durchaus ihren Preis haben dürfen und am Ende günstiger sind als Produktionen, die anfangs zwar preiswert wirken, jedoch am Ende durch Nachjustierung und Fehlerbehebung Geld, Zeitaufwand und vor allem die gute Laune und am Ende vielleicht sogar den Kunden kosten.

Kategorie: Kosten